201305C46 - Aviation-Media.com

Alaska, Ende Mai 2013. Wir waren wieder angekommen an diesem wunderschönen Fleckchen Erde. Trotz schlechtem Forecast standen wir bei strahlendem Sonnenschein auf dem Parkplatz von Everts Air in Anchorage. Unser Ansprechpartner, standesgemäß zum Wetter im Hawaiihemd gekleidet, fragte uns wie flexibel wir wären: "In dreieinhalb Stunden findet über Soldotna ein Trainingsflug mit der DC-6 "Aviator" statt, das wäre für Luftaufnahmen optimal".


Natürlich waren wir flexibel, wir packten unser Equipment ins Auto und waren bereit zur Abfahrt. Dem Seward Highway entlang fuhren wir in Richtung Kenai wo unsere Fotomaschine bereits vorbereitet wurde. Eigentlich schade das wir im Zeitdruck waren, die drei Stunden dauernde Fahrt zur Kenai-Halbinsel ist immer wieder traumhaft, egal wie oft man sie schon gefahren ist. Einige Baustellen erschwerten die Anfahrt, vor allem ließen sie uns einige Zeit verlieren. Um 16 Uhr sollte unser Flug starten, unsere Navigationshilfe errechnete unsere Ankunft aber erst um 16:05 Uhr. Um nach Kenai zu kommen mussten wir auch Soldotna durchqueren. Da wir am Himmel keine DC-6 erspähen konnten war die Hoffnung groß die Fotosession durchziehen zu können.


Als wir jedoch im Everts Office in Kenai angekommen waren sagte uns ein Mitarbeiter das die Maschine ihr Trainingsprogramm abgeschlossen hatte und sich bereits am Rückweg zur Homebase befand. Unser Blick sagte wohl "das kann es jetzt wohl nicht wahr sein". Mehr als sechs Stunden fahrt umsonst, das wäre hart gewesen. Unser Organisator hatte aber sofort die Frage auf dem Mund: "Und was ist mit Salmon Ella?".


Die legendäre C-46 stand zum Abflug bereit, die Crew war bereits im Flieger um die Preflight-Checks durchzuführen. Ein kurzer Anruf beim Chefpiloten und dem heutigen Captain der Curtiss haben genügt und uns wurde mitgeteilt: "Der Pilot kommt….". Eine knappe Viertelstunde später kommt ein älterer Herr in Jeans, orangenen T-Shirt und Militärkappe ins Büro. "Hi, ich bin Terry". In unseren Breitengraden treten Piloten anders auf, in Alaska ist alles etwas stressfreier und entspannter. In kürzester Zeit befanden wir uns tief im Gespräch und der alte Haudegen war der Star im Raum. Er erzählte Geschichten aus seiner Pilotenkarriere und schmutzige Witze. Es war so als hätte er auf seinen Flug vergessen, doch dann, wie aus dem nichts meinte er "ich warte in der Maschine auf euch, lasst euch Zeit". Wir einigten uns noch auf ein gemeinsames Routing und einen Treffpunkt und schon ging es zu unserem Fotoflugzeug. Mit angelegtem Gurtzeug stiegen wir in die die perfekt vorbereitete Maschine mit ausgebautem Fenster und ohne Tür.


Nur wenige Minuten später rollten wir schon an der alten Lady vorbei, das rechte Triebwerk lief bereits, das linke sollte bald folgen. Nach einem rolling take-off waren wir schnell in der Luft und blickten nach hinten auf den Kenai Airport wo die C-46 auch schon zum Line-Up rollte. Nachdem die Maschine abgehoben war veränderten wir unseren Kurs und hatten für die nächsten Minuten keinen Sichtkontakt zu unserem Fotoobjekt. Nate, unser Pilot ließ uns über den internen Sprechfunk wissen "er kommt auf fünf Uhr". Kaum hatten wir ihn "inside" schon war er auch ziemlich schnell an uns vorbei geflogen. Terry wollte uns wohl erst mal zeigen wer der Leader in dieser Formation ist. Unsere Gashebel wurden von Nate nach vorne geschoben und wir nahmen die Verfolgung auf.


Mittlerweile waren wir am anderen Ufer der Meeresenge "Knik Arm" angekommen und steuerten auf das Tal südlich des Blockade Lake zu und drehten dann gemeinsam in südwestliche Richtung um bis zum Summit Lake in Formation zu fliegen. Als wir die engsten Stellen des Tales durchflogen haben kam ein Funkspruch von Terry: "flieg mal gerade aus, ich mach den Rest". Nun hatten wir den Lead und waren gespannt was Terry und seine Crew vor hatten.


Von rechts hinten kam er uns immer näher, von vorne sah es aus als möchte er mit seinen Propellerspitzen unser Höhenruder erwischen. Mehrere Minuten fliegt Terry so nah neben uns. Man mußte die Kamera auch kurz mal zur Seite nehmen und diesen Anblick einfach genießen. Stetig muß die C-46 Crew mit dem Steuerhorn korrigieren um uns nicht zu nahe zu kommen. Analoge 20 Millimeter sollten dem Fotografen allerdings reichen. Nebenbei kommen immer wieder trockene Sprüche im Südstaatenslang über den Funk "my babe is soooo heaaavy!" - Terry, in der Luft der gleiche wie am Boden. "Sind die Jungs zufrieden?" - "oh yes!" laureate Nate`s Antwort.


Zum Abschluss noch ein paar links-rechts Turns und dann dreht die C-46 in Richtung Norden weg um bei einer Miene Benzin abzuliefern. Nach einer 180 Grad Kurve geht es zurück Richtung Kenai und wir überfliegen in Mindesthöhe das Tal, Nate möchte uns noch ein paar Bären zeigen. Ganz ehrlich, Bären wären zum Abschluss noch nett gewesen, aber wir waren mit Meerjungfrau "Salmon Ella" schon hochzufrieden.


Im rechten Winkel fliegen wir in der Abendsonne auf die Piste 19 zu, fast kitschig ist der Ausblick auf die Berge und das Meer. So hat sich der Ausflug nach Kenai doch gelohnt. Und wie. Wir bedanken uns bei Everts Air und Kenai Aviation für die großartige Zusammenarbeit.


Dietmar Schreiber und Alex Schwarz, Juli 2013