201312F4 - Aviation-Media.com

Der Abschied von der F-4F Phantom II wurde in Wittmund unter dem Motto „Phantom Pharewell“ gefeiert. Mehr als vier Jahrzehnte war dieser legendäre Flugzeugtyp ein wesentlicher Bestandteil der Luftverteidigung Westeuropas. Das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ erhielt im März 1974 die ersten in der Jagdrolle eingesetzten F-4F Phantom II und war der letzte Verband, welcher diesen Flugzeugtyp innerhalb der Luftwaffe betrieben hat. Am 30. Juni 2013 endete in Wittmund die Zeit für den schon im Vietnamkrieg eingesetzten Veteranen in Deutschland.


Die neue Strategie der NATO zur Erringung der Luftüberlegenheit mit konventionellen Mitteln machte aber auch die Einführung eines Nachfolgers für die F-104 Starfighter in der Jagdrolle unumgänglich, da dieser nur mit ungenügender Reichweite und Wendigkeit versehen waren und somit den Anforderungen eines modernen Luftkampfes nicht mehr entsprachen. Zudem sollte das neue Kampfflugzeug schnell verfügbar sein. Zudem setzte die Luftwaffe für die Umrüstung von vier Geschwadern auf den neuen Typ gerade einmal einen Zeitraum von drei Jahren an, was die Einführung eines völlig neuen Waffensystems nicht erlaubte. Der moderne Jäger musste laut den Anforderungen so wendig sein, dass er den zu erwartenden Gegner MiG-21 in Schach halten konnte.


Zu den Mitbewerbern der F-4F Phantom II gehörten neben der Saab Viggen aus Schweden unter anderem auch der bei British Aerospace gefertigte Jaguar, Frankreichs Dassault Mirage F1, sowie die Northrop F5 Tiger. Von diesen Flugzeugen erfüllte jedoch lediglich die F-4F die gestellten taktischen Aufgaben in Beziehung auf Reichweite, Zuladung und Wendigkeit. Folglich erhielt die Luftwaffe im Zeitraum von 1973 bis 1975 für den Einsatz als Jäger und Jagdbomber 175 Maschinen des Typs F-4F Phantom II zum Beschaffungspreis von ca. vier Milliarden Mark. Mit insgesamt 273 Exemplaren war die Luftwaffe somit nach den USA der größte Kunde der Phantom Kampfflugzeuge. Die F-4F Phantom II stellte eine gemäß den Anforderungen der Luftwaffe aus der F-4E abgeleitete Version dar, welche zu einem Großteil durch deutsche Firmen in Lizenz gebaut wurde. Zu den Veränderungen gegenüber der F-4E zählen unter anderen ein verbessertes Bremssystem, ein geändertes Cockpit-Layout sowie ein vereinfachtes Radar. Auch die Abflugmasse verringerte sich durch die Umbauten, zudem verbesserte eine neue Aerodynamik die Wendigkeit im Luftkampf. Die F-4F Phantom II erhielten die taktischen Kennzeichen 37+01 bis 38+75.


Mit der Ausphasung der F-4F Phantom II und der Umrüstung auf den Eurofighter wird die fliegende Luftverteidigung erneut modernisiert. Das im Norden Deutschlands beheimatete JG 71 „R“ flog zum Schluss noch zehn, der im Zeitraum von 1991 bis 1996 modernisierte Phantom-Variante ICE (Improved Combat Efficiency, verbesserte Kampfeffizienz). Mit der Modernisierung von 110 der 175 gelieferten F-4F durch Einbau von aus der F-18 Hornet bekannter Komponenten wie Hughes APG-65 (Bordradar), Honeywell H-423 (Navigationssystem), GEC Avionics CPU-143/A (Bordcomputer) und einem neuen Radarwarnempfänger erwarb die Phantom die Fähigkeit zum Einsatz der Lenkwaffe AIM-120 AMRAAM und eine erhöhte Kampffähigkeit.


Bis Ende Juni waren die täglichen QRA-Missionen für die Besatzungen der Rhinos in Wittmund weiterhin Routinen, bei welchen das JG71 jeweils zwei Jagdflugzeuge mit dazugehörigem Personal in einer 24-Stunden-Schicht der NATO zum Schutz des deutschen Luftraumes zur Verfügung stellte. Die Alarmrotte muss sich innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung in der Luft befinden, wo sie über ihren Auftrag durch die Jägerleitoffiziere informiert wird. In den meisten Fällen wird heutzutage die QRA alarmiert, wenn ein ziviles Luftfahrzeug sich nicht an rechtliche Vorgaben hält bzw. den Funkkontakt verliert. Die F-4F stand fast vierzig Jahre in Deutschland im Dienst und könnte noch weitere 10 Jahre im Dienst bleiben. Die vielen bereits abgestellten Maschinen und die damit verbundene Hochwertteilegewinnung würden genügend Ersatzteile liefern. Der Eurofighter beendete jedoch praktisch die Karriere des kalten Kriegers in Deutschland.


Nach der Verabschiedung der F-4F Phantom II beim JG 71 in Wittmund am 30. Juni 2013, endete am 30. Juli 2013 bei der WTD 61 in Manching die Karriere der „Rhinos“. Ebenso lange wie bei der Luftwaffe standen die deutschen Phantoms dort im Einsatz und dienten als zuverlässige Erprobungsträger. Sämtliche Neuerungen oder Modifikationen wurden an den Manchinger F-4F getestet, bevor sie bei der Luftwaffe eingeführt wurden.


Exakt um 15:04 Uhr am 30.07.2013 setzte die 38+13 in Manching auf der 25L auf und beendete damit endgültig den fliegerischen Einsatz der McDonnell Douglas F-4F Phantom II in Deutschland.


„Don’t let me die, I want to fly!“


Thomas Ziegler und Alexander Golz, Dezember 2013