201108CONNIE - Aviation-Media.com

Lockheeds Propliner haben es mir schon immer angetan. Aber seit meiner ersten Begegnung mit der Breitling Connie entwickelte sich eine besondere Vorliebe zur Super Constellation. So entstand 2006 nach meinem ersten Air to Air Shooting mit der "Star of Switzerland" über dem Salzburger Wolfgangsee der Artikel "Connie my love". Dazwischen lagen ziemlich genau fünf Jahre, eine Zeit die viele schöne Trips der Connie beinhaltete, aber auch die Restauration der Maschine mit sich brachte. Für mich waren die letzten Monate durch Diskussionen mit meiner Frau bestimmt, ob wir unsere Tochter nicht doch "Connie" taufen wollen.


Ende August dieses Jahres traf man wieder zusammen um die Lady im neuen Kleid im Flug abzulichten. Mehrere Versuche dies schon früher nach ihrem Rollout am 30. April in Lahr zu organisieren schlugen hauptsächlich aus Wettergründen fehl. Tannheim hieß unser Ziel - und wieder war das Wetter alles andere als vielversprechend. So saßen wir startklar im strömenden Regen um auf unser Shooting zu warten. Unser Pilot Carlo Ferrari hielt den Kontakt mit Ernst Frei, dem Piloten und Flugbetriebsleiter der Super Constellation Flyers. Ein wenig hatte ich mich schon damit abgefunden, dass auch dieser Flug nicht stattfinden wird, doch dann ging alles ganz schnell. Die Wetterfront hatte die Ostschweiz passiert und Ernst Frei gab uns die Info, dass er in Kürze seine Vier Curtiss-Wright Cyclone Triebwerke anwerfen würde.


Wenige Minuten später hoben wir mit unserer Beech 18 in Tannheim ab und drehten in Richtung unseres Treffpunktes am Bodensee, die Blumeninsel Mainau. Bereits beim Formieren in der Luft war allen Beteiligten klar, dass dies keine leichte Aufgabe wird. Wind, tief hängende Wolken und immer wieder einsetzender Regen erschwerten den Formationsflug und das fotografieren. Aufgrund der tollen Zusammenarbeit der beiden Crews war es aber doch noch möglich ein paar brauchbare Aufnahmen zu bekommen. Früher als geplant mussten wir jedoch das Shooting abbrechen, das Wetter ließ den Formationsflug leider nicht mehr zu und auch der geplante Überflug bei Tannkosh konnte nicht durchgeführt werden. Da Tannheim nur über eine Graspiste verfügt war Memmingen das Ziel der Connie, von wo aus sie am Nachmittag zu ihrem Display nach Tannheim und am Abend zurück nach Basel aufbrechen sollte.


Auch wir begaben uns nach der Landung in Tannheim auf den Weg nach Memmingen um uns die Connie auch am Boden anzusehen. Und da stand sie nun, die einzige noch fliegende Super Constellation in Europa. Man sah ihr sofort an, die Wartungsarbeiten haben ihr gut getan. Das neue Farbenkleid steht ihr perfekt. Die alte Lady versprüht mit ihrer Eleganz noch immer diesen unwiderstehlichen Charme und erinnert an frühere Zeiten der Luftfahrt in denen die Propliner das Geschehen bestimmten. Kein Wunder das sie auf den Airshows allen die Show stiehlt.


Ernst Frei erzählte uns von den Restaurierungsarbeiten an der Maschine. Die Korrosion an den beiden inneren Flügelholmen und die längere Flugpause war für die Super Constellation Flyers eine große Herausforderung - doch durch den großen Zusammenhalt hat man alles wunderbar gemeistert. Das zeigt auch wieder den großen Enthusiasmus der Organisation und was man damit bewegen kann. Nicht umsonst wird auf der Homepage der Super Constellation Flyers Donald Dougles sen. zitiert: "Dream no small dream; it lacks magic. Dream large. Then make the dream real." Captain Frei lebt diesen Traum und er lebt "Connie" - er passt einfach in dieses Cockpit. In seiner Berufspiloten Karriere flog er unter anderem DC-9, DC-8, B747 und die MD-11 für Swissair. Er war es auch der beim Swissair Grounding die letzte Maschine von Johannesburg nach Zürich heim brachte. Noch genau erinnert er sich daran wie er und seine Kollegen die MD-11 auf der letzten freien Parkposition bei der Werft abstellten. Heute sieht er das Fliegen mit der Super Constellation als ein nie erträumtes Privileg, die Erfüllung seines Jugendtraumes und den absoluten Höhepunkt seiner sonst wunderschönen Karriere.


Voller Leidenschaft erzählt er uns, dass seine Maschine etwas "härter" als andere Typen zu fliegen ist. Trotz hydraulischer Unterstützung braucht es einfach mehr Kraft um größere Korrekturen durchzuführen. Wenn zwei Personen im Flug nach hinten gehen steigt die Maschine. Alles muss manuell ausgetrimmt werden. Also noch richtige Handarbeit im Flug – Autopilot? Fehlanzeige! Und da er selbst einfach ein großer Enthusiast ist stimmt er einem zweiten Shooting während des Heimfluges nach Basel am Abend desselben Tages zu. Im Wetterbericht wurde Besserung vorausgesagt. Zum Glück sollten die Wetterfrösche endlich Recht behalten.


Um möglichst wenig Zeit zu verlieren waren wir schon zum Zeitpunkt des Constellation-Take off im Holding über Memmingen und nahmen auf dem Flug zum Overshot in Tannheim die "Verfolgung" auf. Wer diese elegante Maschine in der Abendsonne schon einmal in der Luft gesehen hat, wird diesen Anblick nicht vergessen. Sie glänzt und funkelt wie am ersten Tag. Der Star of Switzerland als Stern am frühen Abendhimmel. Kurz nach Tannheim fliegen wir nebeneinander "direct to Bregenz". Das Licht ist ein Traum. Wir haben genug Zeit. Genau so haben wir es uns gewünscht. Die Bilder sind im Kasten, aber jeder von uns weiß…. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir den Star of Switzerland aus dieser Perspektive gesehen haben. Wer einem Stern mal so nah war möchte immer wieder danach greifen!


Allen Fans der Super Constellation sei das Buch "Super Constellation Backstage" von Peter Frei ans Herz gelegt. Vielen Dank an unseren "Rennfahrer-Piloten" Carlo Ferrari und die Super Connie Flyers rund um Kapitän Peter Frei > www.superconstellation.org


Dietmar Schreiber, Alexander Schwarz und Tom Ziegler, August 2011