Im August 2020 ereignete sich etwas für die Geschichtsbücher der Militärluftfahrt – der erste Auslandseinsatz von Kampfflugzeugen der israelischen Luftwaffe in Deutschland mit der Übung „Blue Wings 2020“. In den folgenden beiden Wochen trainierten die beiden Luftwaffen zusammen und mit einigen weiteren europäischen Alliierten. Diese Auslandsentsendung bezog sich sowohl auf die Vergangenheit als auch die Zukunft – auf die Vergangenheit, da nahezu jede israelische Familie und daher auch die Piloten von der Schoa betroffen waren – und auf die Zukunft, da Deutschland und Israel jetzt als Freunde und Partner zusammenarbeiten und diese Beziehung weiter ausbauen wollen. Die Flugzeuge der israelischen Luftwaffe landeten in Nörvenich im Westen Deutschlands, Heimat das Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 Boelcke, ausgerüstet mit Eurofightern.

August 2020 saw a historic event in military aviation – the first deployment of Israeli Air Force fighter aircraft for the exercise “Blue Wings 2020” to Germany. In the two succeeding weeks, the two Air Forces trained together – and with several other European allies. This deployment represented past and future – past, as nearly every Israeli family and thus as well the pilots have been impacted by the Shoa – future, as German and Israel work now together as friends and partners and want to develop this connection further. The base which hosted the Israeli aircraft was Nörvenich in the west of Germany, home of the Tactical Fighter Wing 31 Boelcke equipped with Eurofighters.

Bereits in den Jahren zuvor gab es zwischen den beiden Luftwaffen einen regen Austausch – so nahm die deutsche Luftwaffe bereits zweimal in den vergangenen Jahren an der Übung Blue Flag in Israel teil und nutzte diese Möglichkeit, um in ungewohnter Umgebung zu trainieren. Jetzt sollte die israelische Luftwaffe von dieser Möglichkeit profitieren, in ungewohnter Umgebung und Landschaft mit resultierenden Einschränkungen zu üben. Ein weiterer Vorteil lag im Training gegen ungewohnte Gegner und deren Regelungen – und mit Piloten und Crews die nicht die gleiche „Sprache“ (in Bezug auf die militärische Luftfahrt) sprechen.

The exchanges between the two Air Forces have been very active already since several years – the German Air Force participated already twice to the Blue Flag exercises in Israel in the last years and used the opportunity to train in unfamiliar environments. Now the Israeli Air Force benefited from this opportunity, flying and training in unknown environments with unfamiliar territory and limitations. Additional benefit is the training against other platforms and flight rules – and with crews who don’t use the same “language” (with regard to military aviation).

The six IAF F-16s that made history - first ever deployment to Germany

Israeli Air Force 101 Squadron / Lockheed Martin F-16C Block 40 / 534

Die israelische Luftwaffe landete dazu mit insgesamt elf Maschinen am Montag der ersten Woche. Die erste Landung – die aufgrund des ersten israelischen Kampfflugzeugs in Deutschland eine historische war – erfolgte durch drei F-16C der 101. Kampfflugzeugstaffel „First Squadron“ und drei F-16D der 105. Kampfflugzeugstaffel „Scorpions“ – beide Staffeln sind auf der Basis Hatzor in Zentralisrael beheimatet und operierten während des Fluges mit dem Rufzeichen ATOMI. Neben den Kampfflugzeugen landeten auch zwei Flugzeuge für die elektronische Kriegführung und zur Aufklärung, die beide auf dem Business Jet Gulfstream G550 basieren und den Beinamen Nashon tragen. Eines der beiden Flugzeuge wird Eitam genannt (Rufzeichen GLORY), ist für die Luftraumüberwachung konzipiert und verfügt über zusätzliche Radome an Nase, Heck sowie zwei großen seitlichen Anbauten am Rumpf für die zusätzliche Radarausrüstung. Die zweite Maschine wird als Shavit bezeichnet und wird als Aufklärungsflugzeug (SIGINT) verwendet, wozu unter dem Rumpf ein langgestreckter Anbau mit der notwendigen Ausrüstung angebracht ist. Die G500 Nashon-Shavit diente außerdem als VIP-Transport für den Chef der israelischen Luftwaffe (Rufzeichen TIKVA). Diese beiden Flugzeuge verfügten über ausreichend Treibstoff für den Flug von Israel nach Deutschland ohne auftanken, allerdings galt dies nicht für die Kampfflugzeuge. Daher entsandte die israelische Luftwaffe zusätzlich drei klassische Boeing B707 Tanker (Rufzeichen GIANT 1 bis 3), von denen einer allerdings in der Mitte des Mittelmeeres umdrehte und nach Israel zurückflog (GIANT 2). Die beiden anderen Tanker begleiteten die Kampfflugzeuge weiter und landeten ebenfalls in Nörvenich, flogen aber noch am gleichen Tag wieder zurück zu ihrer Heimatbasis. All diese weiteren Flugzeuge werden von der 122. Staffel (Aitam und Shavit) und der 120. Staffel (B707) betrieben, beide sind in Nevatim in Zentralisrael zu Hause.

The Israeli Air Force arrived on Monday of the first week with overall eleven aircraft. First to land – and make history as first Israeli fighter aircraft in Germany – were three F-16C from the 101st Fighter Squadron “First Fighter” and three F-16D from the 105th Fighter Squadron “Scorpions” – both squadrons home based at Hatzor in central Israel and operating for the flight with the callsign “ATOMI”. Next to the fighters two aircraft for electronic warfare and control landed – both of them based on Gulfstream G550 airframes and the additional name Nashon. These compromised one aircraft optimised for Airborne Early Warning and Control named Eitam (callsign “GLORY”) featuring extended nose, tails and large side sponsons for additional radar equipment and a Signal and Intelligence and Electronic Mission version (SIGINT) named Shavit featuring a “canoe” with special equipment under the fuselage. The G550 Nashon-Shavit operated as well as VIP transport for the Commander of the Israeli Air Force (callsign “TIKVA”). These two aircraft have sufficient onboard fuel to make the trip from Israel to Germany without refuelling, but the fighters could not. Thus the Israeli Air Force dispatched three of their iconic Boeing B707 tanker aircraft (callsigns “GIANT1”, “GIANT2”, “GIANT3”), although one of them turn around in the middle of the Mediterranean and returned to Israel (“GIANT2”). The other two continued with the fighters and landed as well in Nörvenich, but returned to their homebase in Israel on the same day. All these other aircraft are operated by 122nd Squadron (Eitam and Shavit) and 120th Squadron (B707), both home based at Nevatim in central Israel.

Bei der Ankunft wurden die israelischen Flugzeuge von deutschen Eurofightern aus Nörvenich begrüßt worauf ein Formationsüberflug aus drei F-16 und zwei Eurofightern durchgeführt wurde. Der besonderen historischen Bedeutung angemessen begrüßte der Inspekteur der Luftwaffe Ingo Gerhartz, der in einem Eurofighter entgegengeflogen war, den Kommandeur der israelischen Luftwaffe Amikam Norkim, der in der Shavit anreiste, an der Grenze zu Deutschland – worauf ein weiterer Formationsüberflug in Nörvenich erfolgte.

On arrival, the Israeli aircraft were welcomed by Eurofighters from the home based wing and a formation flypast of three F-16s and two Eurofighters was performed. Due to the historic event, the Commander of the German Air Force Ingo Gerhartz, flying in a Eurofighter, welcomed the Commander of the Israeli Air Force Amikam Norkim, flying in the Shavit, on the border of Germany – followed by another formation flypast in Nörvenich.

Auch am nächsten Tag ereignete sich historisches. Israelische und deutsche Crews flogen mit der Eitam in Formation mit zwei Eurofightern und zwei F-16 mehrfach über den ehemaligen Militär-Flughafen Fürstenfeldbruck und die KZ-Gedenkstätte Dachau. In Fürstenfeldbruck scheiterte die Befreiung der israelischen Athleten der olympischen Spiele 1972, die von Terroristen als Geiseln gehalten wurden – alle Geiseln kamen ums Leben. Das Konzentrationslager in Dachau war eines der ersten in Deutschland errichteten Konzentrationslager und bestand bis zu seiner Befreiung durch die US Armee im April 1945. Daher haben beide Orte eine große Bedeutung für Israel, weswegen die Überflüge auch Live im Fernsehen in Israel zu sehen waren um die Botschaft zu unterstreichen – nie wieder. Beide kommandierende Offiziere nahmen danach an einer Zeremonie mit der Deutschen Verteidigungsministerin und dem israelischen Botschafter in Deutschland in der Gedenkstätte in Dachau teil.

Speaking about history, the next day should provide even more. Israelie and German crews flew the Eitam, flanked by two Eurofighters and two F-16s, and made flypasts at former Fürstenfeldbruck airbase and at the concentration camp memorial site in Dachau. In Fürstenfeldbruck, in an attempt to free the Israeli athletes of the 1972 Olympic Games in Munich held hostage by terrorists failed, and all hostages were killed. The concentration camp in Dachau was among the first concentration camps created in Germany and was liberated by the US Army only in April 1945. Thus, both sites have a high importance for Israel and the flypasts over both sites were broadcasted on TV as well to Israel enforcing the message – never again. Both commanding officers attended as well a ceremony with the German minister of Defence and the Israeli ambassador in Germany in the memorial site in Dachau.

In den Tagen nach diesen historischen Überflügen und Ereignissen trainierten die nach Deutschland entsandten Einheiten der israelischen Luftwaffe mit den Eurofightern des TLG 31, was beide Seiten herausfordernde Trainingsmöglichkeiten bot. Zusätzlich war der Auslandseinsatz für alle israelischen Crews auch eine gute Möglichkeit genau einen solchen Einsatz zu trainieren – Deutschland fliegt keine F-16 weswegen die israelische Luftwaffe die gesamte Ausrüstung zur Unterstützung der Kampfflugzeuge mit Transportflugzeugen nach Deutschland fliegen musste und die Logistik bereit zu stellen war jeden Tag Einsätze mit ihnen zu fliegen. Aus diesem Grund trafen bereits in den Tagen zuvor mehrere C-130 Hercules Transportflugzeuge ein – eine weitere Maschine landete am Montag. In der Regel erfolgten täglich zwei Missionen, sowohl vormittags mit einem Start zwischen neun und zehn Uhr sowie nachmittags mit einem Start zwischen 15 und 16 Uhr. Die Missionen wurden nur unter der Woche geflogen und umfassten Eurofighter des TLG 31, F-16 der israelischen Luftwaffe sowie die G500 Eitam zur Luftraumüberwachung.

In the days after these historic flypasts and events, the Israeli Air Force deployed to Germany trained with the Eurofighters of the TLG 31, providing challenging new training opportunities for both Air Forces. The deployment was in addition for all Israeli crews a good opportunity to train as well what a deployment means – Germany doesn’t operate F-16s, so the Israeli Air Force had to transport all support equipment with transport aircraft to Germany and build up the logistic footprint to support the flying operations. For this purpose, several flights with C-130 Hercules aircraft in the days preceding the deployment were done, one of them arriving on the day itself. During the exercise two missions were flown every day, on in the mronign with takeoff between nine and 10 AM, the other in ther afternoon taking off between 3 and 4 PM. Missions were flown only during the week and included Eurofighter of the TLG 31, F-16 of the Israeli Air Force and the G550 Eitam for airborne control.

In der zweiten Woche wechselten dann die Trainingsmissionen und andere Luftstreitkräfte wurden eingebunden. Mehrmals im Jahr finden die Multinational Air Group Days, kurz MAG Days statt, welche den teilnehmenden Nationen die Möglichkeit geben mit anderen Ländern zu trainieren. Zu der entsprechenden Übung im August wurden die israelischen Flugzeuge hinzugefügt, was den Piloten eine zusätzliche Möglichkeit gab in der ungewohnten Umgebung zu fliegen und zu trainieren. Zusätzlich zu den israelischen F-16 entsandte die israelische Luftwaffe erneut zwei Boeing 707 Tanker, welche für den Rest der Woche an der Übung teilnehmen sollten. Neben deutschen und israelischen Piloten trainierten Piloten der ungarischen Luftstreitkräfte mit ihren Saab Gripen, welche vom Standort Jagel operierten. Unterstützt von zahlreichen Tankflugzeugen (GAF A310 und A400M sowie IAF B707) beinhalten diese Übungen unterschiedliche Trainingsbedürfnisse und können in verschiedenen Trainingsgebieten erfolgen. Für die israelische Luftwaffe (laut deren Online Veröffentlichungen) waren die Haupttrainingsinhalte simulierter Luftkampf, Boden-Luft Kriegsführung, die Abwehr von Boden-Luftraketen und andere Szenarien. Die Trainingszeiten orientierten sich an denen der ersten Woche. Der Abflug der israelischen Crews und deren Flugzeugen erfolgte am Freitag der zweiten Woche bereits am frühen Morgen ab 7 Uhr, damit alle israelischen Besatzungen und Crews pünktlich zum Shabbat wieder zuhause waren.

In the second week, the attention shifted to training operations including other Air Forces. Several times during the year Multinational Air Group Days, shortly MAG Days are set up, offering participating nations the opportunity to train with other countries. To the corresponding exercise in August the Israeli aircraft were added, providing the pilots an additional opportunity for them to train and fly in the unfamiliar environment. In addition to the Israeli F-16 the Israeli Air Force dispatched again two Boeing 707 tanker, which participated in the exercise until end of the week. Next to pilots and aircraft from Germany and Israel as well Hungarian pilots in their Saab Gripen participated, operating from the German airbase Jagel. Supported by various tanker aircraft (GAF A310 and A400M as well as the IAF B707), these operations address different training needs and can impact various training areas. For the Israeli Air Force (according to their own publications), the main training objectives were “dogfights, ground-to-air combat, handling surface-to-air missile threats, and other combat scenarios”. The mission times in the second week were comparable to those of the first week. The departure of the Israeli crews and pilots started on early Friday morning around 7AM to ensure everybody was home in Israel for Shabbat.

Für die Luftfahrt Enthusiasten war der Besuch eine seltene Möglichkeit Flugzeuge der israelischen Luftwaffe zu sehen – und die klassischen Boeing B707 Tanker auch zu hören. Letzterer Typ steht bei fast keinem anderen Land mehr im Einsatz. Daher war der Flughafenzaun in Nörvenich sehr gut besucht und viele Fotografen kamen vorbei. Auch wir begrüßten die Möglichkeit die Flugzeuge der israelischen Luftwaffe zu fotografieren und hoffen auf weitere Besuche und Möglichkeiten.

Text: Florian Szczepanek

Photos: Florian Szczepanek and and Sebastian Sowa

August 2020

For the aviation enthusiasts, the visit was a rare opportunity to see aircraft from the Israeli Air Force – and to see and hear the iconic B707 tanker aircraft barely in operation by any other country today. Thus the fences in Nörvenich were busy as well, with many photographers passing by. We welcomed the opportunity to photograph the aircraft from the Israeli Air Force and hope for more such visits and opportunities.