Roll Out Retro Brummel

Transall C-160D – Ein Stück deutscher Bundeswehr-Luftfahrtgeschichte geht immer mehr seinem Ende entgegen


Hohn – 09.03.2021

Mit dem heutigen Roll Out der letzten sonderlackierten C-160D der Bundeswehr biegt die Transall auf die Zielgerade ihrer Laufbahn bei der Bundeswehr ein. Die Außerdienststellung aller noch in der Flotte befindlichen Transall wird bis spätestens zum 31.12.2021 erfolgen – gemeinsam mit der Auflösung des Lufttransportgeschwaders 63. Diesen unabwendbaren Abschied nahm das LTG 63 unter Leitung des Kommodore Markus Kleinbauer zum Anlass, die nun schon über 50 Jahre andauernde Laufbahn der Transall C-160D und des LTG 63 in der Bundeswehr entsprechend zu würdigen.

Dabei ist das LTG 63 nicht nur durch die Durchführung von Transportaufträgen bekannt, sondern hat sich besonders durch die Kreierung und Umsetzung aufwändiger und ausgefallener Lackierungen einen Namen erarbeitet. Mit der 50+85 (50 Jahre LTG 63), 50+95 (55 Jahre LTG 63) und der 50+72 (400.000te Flugstunde Hohn) hat man dies bereits mehrfach unter Beweis gestellt, was jedoch zu einer großen Erwartungshaltung für das neue und finale Projekt führte.

Transall C-160D - A piece of German Aviation history is approaching its end soon


Hohn – 09.03.2021

With the roll-out of the last special coloured C-160 of the German Air Force, Transall is on its final leg of its career with the Bundeswehr. The final retirement of all remaining Transall will occur latest on December 31st 2021 – at the same time as the stand down of the Air Transport Wing 63. This inevitable farewell was the baseline for the LTG 63 under the command of Commodore Markus Kleinbauer, to honour the career of more than 50 years of Transall C-160D and the wing accordingly.

Besides, the LTG 63 is not only known for its transport missions, but is as well remembered for the creation and realisation of several challenging and exceptional special colour schemes. With the designs of the 50+85 (50th Anniversary of LTG 63), 50+95 (55th Anniversary of LTG 63) and the 50+72 (400.000 flying hours at Hohn), this capability was proven several times, but resulted as well in a high level of expectation for the new and final project.



Auf der Suche nach den treibenden Kräften für dieses Projekt konnte man auf altbewährtes Personal zurückgreifen. Stabsfeldwebel Fabian Lorenz und Oberstabsfeldwebel Alexander Peters als Designer erarbeiteten erste Konzepte, passten diese an und legten schlussendlich eine finale Gestaltung vor. Maßgebend dabei war: Die letzte Transall soll etwas Besonderes, Einmaliges sein. Sie soll die Geschichte der Transall innerhalb der Bundeswehr erzählen, Emotionen wecken und diese hoch in den Himmel über Schleswig-Holstein und die Welt tragen – so die Idee hinter diesem Auftrag. Nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass die erste Auslieferung am 13. Juni 1968 erfolgte und auch die Zeit bis zur endgültigen Einstellung des Flugbetriebes zum 31.12.2021 gebührend berücksichtigt werden sollte.

Looking for qualified and engaged staff for the project, experienced personal was at hand. Sergeant Major Fabian Lorenz and Alexander Peters created first designs, adapted them and eventually presented the final design. The last special coloured Transall was considered as something outstanding, exceptional and one-off. The design shall as well tell the story of the Transall within the Germany military, create emotions and fly them high in the sky above Schleswig-Holstein and the world – to explain the headlines behind the idea. Not simple, considering the whole history from the first aircraft handed over on June 13th 1968 till the final closure of flying operations on December 31st 2021 had to be represented as well.


Mit der 50+40 hat man ein Luftfahrzeug ohne Stundenreglementierung gefunden, welches nun die Ehre hat, diese Sonderlackierung bis zu November 2021 zu tragen. Gleichzeitig steigen damit auch die Chancen für die Maschine, einer Verschrottung zu entgehen.

Das Design sieht vor, alle jemals auf einer Transall befindlichen Lackierungen in einer zu vereinen. Beginnend mit dem Silber der Erprobungsmaschine gab es Luftfahrzeuge in Norm 72 Lackierung und dem Weiß der UN-Maschinen bis hin zum aktuellen Erscheinungsbild. Somit stand das Konzept fest und es konnte mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden.

The airframe 50+40 was selected, as it didn’t have any limitations with regard to flying hours. This aircraft now has the honour to operate in the special scheme until November 2021 and thus has as well high chances to escape scrapping.

The paint design tries to integrate all colour schemes of Transall during its operations in a single paint scheme. Starting with the bare silver of the first test aircraft to the Norm 72 tan scheme, the design integrates as well the pure white of aircraft in UN service and as well the final camouflage scheme. Thus the concept was finalised and the implementation could start.


Das Team um Hauptmann und Projektoffizier Thomas Blechert und die Designer und Lackierer Stabsfeldwebel Fabian Lorenz, den Lackiererinnen und Lackierer Oberstabsgefreiter Torge Eichert, Florian Krebs, Kathrin Meine und Bastian Breier organisierte sich in dem sogenannten „Designteam“ und erledigte alle für die Umsetzung erforderlichen Aufgaben.

The team, consisting of Captain and Project Officer Thomas Blechert and the designer and painters Sergeant Major Fabian Lorenz, the painters Corporal Torge Eichert, Florian Krebs, Kathrin Meise and Bastian Breier, organised themselves under the title “design team” and completed all necessary tasks.

Die Transall wurde gewaschen und in die zur Lackiererei umfunktionierten Halle West geschleppt, aufgebockt und eingedockt. Beginnend mit dem 01. Februar 2021 galt es nun, den selbstgesteckten Zeitrahmen von etwa vier Wochen nicht zu überschreiten. Neben der eigentlichen Hauptaufgabe fielen jedoch auch noch andere Tätigkeiten an, welche Unterstützung aus anderen Bereichen unabdingbar machten. Alle an einem Strang ziehend, den Hohn-Spirit lebend und auf die Sache fokussiert, haben sich das Bundeswehr-Dienstleistungs-Zentrum (BwDlz), die Feuerwehr, das Team des Flugplatzmeisters, die Technik- und die Nachschub- und Transport-Staffel mit eingebracht, um den 26. Februar einzuhalten und die Arbeiten nach ca. 900 Arbeitsstunden final beenden zu können.

The airframe was cleaned, towed to the hall/hangar west which was used as paint shop, docked and jacked up. Starting on February 1st 2021, the mission now was to complete all activities in the given timeframe of four weeks. Aside the main task of painting the aircraft, several other activities had to be done as well, requiring support from all departments. Acting together, living the spirit of Hohn airbase and focussed on the mission, the German Air Force Service Center, the fire station, the team of the airfield boss, the technical department, the replenishment department and the transport department, all supported to complete the efforts on February 26th, delivering around 900 working hours.

Fabian Lührs / Hohn Airbase / 09.03.2021

Fabian Lührs / Hohn Airbase / 09.03.2021

Das Resultat ist so spektakulär wie die Geschichte der Transall und des Geschwaders selbst. Aus diesem Grund ist die Lackierung auch mehrfach geteilt. So wurden zum Beispiel auf der rechten Seite einige der Schwerpunkteinsätze dargestellt: Der Einsatz von Täuschkörpern als Sinnbild für die Einsätze in Kriegsgebieten wie Sarajevo und ein Abbild des Hindukusch Gebirge als einem der längsten Einsätze (2002-2014) überhaupt. Das Absetzen von Schwerlasten und Fallschirmspringern soll die allgemeine Breite des Einsatzspektrums zeigen, während die weiße Transall in UN Bemalung für die unzähligen Hilfseinsätze in humanitären Gebieten steht, wodurch sie auch den Namen „Engel der Lüfte“ erhielt.

Die linke Seite hingegen wurde dem Lufttransportgeschwader 63 und seinem Wappentier, der Hummel, gewidmet, welche sich dominant mit dem Schriftzug „Lufttransportgeschwader 63“ über die gesamte Länge zieht.

Die Flügelunterseite ist größtenteils in Weiß gehalten und symbolisiert bei genauer Betrachtung die Flügel des „Engels der Lüfte“, abgerundet durch die beiden Zahlen 1968 und 2021. Die Flügeloberseite ist die farbenprächtigste, da sich auf der linken Seite die Farben der Bundesrepublik Deutschland wiederfinden, während auf der rechten Seite einmal mehr die enge Verbundenheit durch die Landesfarben mit dem Bundesland Schleswig-Holstein zum Ausdruck gebracht wird. Abgerundet wird die Mitte der Oberseite mit dem Spruch „Last Call“, einer großen 63 und einer Weltkarte – einer Anspielung auf die weltweiten Missionen des LTG 63 aus Schleswig-Holstein heraus.

Insgesamt wurden ca. 200 Liter Lack verarbeitet und selbst während der Lackierarbeiten gab es ständig Anpassungen und Verbesserungen im Design, die schlussendlich die 50+40 zur dem machen, was sie jetzt ist: Ein Markenbotschafter für die Transall und zugleich für das Geschwader in Hohn.

The resulting paint scheme is as spectacular as the history of Transall and the wing. To reflect this diverse history, the design is split in several parts. On the right fuselage side, several main missions are depicted: the use of flares as symbol for the operations in war zones like in Sarajevo – or the mountain chain of Hindukush as one of the longest missions overall (2002-2014). The drop of heavy equipment and parachutists explains the wide range of possible missions, while the white Transall in UN colour scheme represents the numerous humanitarian operations, reflected as well in the title “angel of the sky”.

The left side is fully dedicated to the air transport wing 63 and its heraldic animal, the bumblebee, which sits prominently together with the name tag “Lufttransportgeschwader 63” along the whole fuselage.


The underside of the wings is mainly white and if looking closer resembles the wings of the “angel of the sky”, framed by the years 1968 and 2021. The upper side of the wings is the most colourful area of the design, with the colours of Germany on the left and the colours of the country Schleswig-Holstein on the right – the latter to express the special bond with this country. The wing paint design is completed with the slogan “Last Call”, a large 63 and a map of the world – a hint to the missions performed worldwide from the home base in Schleswig-Holstein.


Overall 200 litres of paint where used – and even while painting had started adjustments to the design were made. This resulted in the look of 50+40 as you see it today: an ambassador for Transall and the wing.


Eines fehlte jedoch noch: Ein einprägsamer und eleganter Name für die letzte bunte Trall. In einem kurzen Brainstorming über einen passenden Namen für die liebevoll „alte Dame“ genannte Maschine, war man sich schnell über den Vorschlag vom Lackierer Oberstabsgefreiten Torge Eichert einig. Ab diesem Zeitpunkt wurde die 50+40 nur noch „Retro Brummel“ genannt, denn treffender kann ein Name für fünf Dekaden Transall nicht sein.

But one thing was still missing: a catchy and remarkable name for the last colourful Transall. In a short brainstorming session, searching for the name for an aircraft called by many affectional as “old lady”, everybody quickly agreed on the suggestion of the painter and Sergeant Major Torge Eicher. From this moment, 50+40 was only known as “Retro Brummel” (“Brummel” from German “brummen” e.g. humming) – a name perfectly matching five decades of Transall operations.

Doch wenn das eine Team seine Arbeit erledigt hat, nimmt das andere Team den Staffelstab auf. In diesem Fall ist es das Presseteam um Oberstabsfeldwebel Alexander Peters, Oberstabsgefreiter Andre Schoofs und Catrin Bonse. Bereits während der Projektphase involviert und tätig, beginnt nun ihre eigentliche Aufgabe mit der Anfragenabarbeitung für Fotosessions, Koordinierung der „Goodbye Transall“ Tour und Abarbeitung von Presseanfragen, welche sich nach diesem einmaligen Video mit Lichtshow und der Presseveranstaltung zusätzlich deutlich erhöht haben dürften.

Once one team completes its task, another team takes over. This was now the media team around Sergeant Major Alexander Peters and Corporals Andre Schoofs and Catrin Bonse. Already heavily involved and coordinating during the project phase, their main mission now started handling requests for photo sessions, planning the “Goodbye Transall” tour and answering media requests, which will increase now even more based on the exceptional light show presentation and press event during the roll-out.

Coronabedingt kann der Tag der Bundeswehr am 12. Juni 2021 in Hohn, welcher in die Abschiedsfeierlichkeiten einbezogen werden sollte, leider nur virtuell verfolgt werden. Die „Retro Brummel“ wird das LTG 63 dort aber würdig vertreten und dürfte die Erwartung an Historie, Verbundenheit, Emotion und Eleganz mehr als erfüllen. Der finale Abschluss soll dann mit dem Ende der „Goodbye Tour“ zum Fly Out am 23. September stattfinden, sodass es danach für die 50+40 bis zum Ausscheiden im November sukzessive immer ruhiger werden wird.

Due to COVID19, the Day of the German Armed Forces planned for June 12th in Hohn, scheduled to include as well farewell ceremonies, can only occur virtually. “Retro Brummel” will represent the LTG 63 honourable during this event and will as well fulfil the expectations with regard to history, affiliation, emotion and elegance. The final public farewell is scheduled to be the end of the “Goodbye Tour” and the Flyout on September 23rd, followed by quieter times for 50+40 until the final last flight somewhere in November.

Einzig und allein bleibt nun zu hoffen, dass die „Retro Brummel“ der Verschrottung entgehen kann und als Gateguard an einem der zahlreichen Standorte die glorreiche Geschichte der Transall und des LTG 63 weitererzählen kann.


Fabian Lührs, March 2021


We can only hope “Retro Brummel” will escape scrapping and a final resting spot as Gateguard hopefully be found, telling all people passing by about the glorious history of Transall and the LTG 63 for years to come.