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Die alle zwei Jahre stattfindende Messe in Moskau ist inzwischen einer der wenigen Treffpunkte der Luftfahrtindustrie aus dem „Osten“ und „Westen“. Die Veranstaltung, die in einem Zug mit vergleichbaren Messen wie Farnborough, Le Bourget oder der ILA genannt werden muss, ist für ihre spektakulären Displays russischer Militärflugzeuge bekannt und gilt als wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die russische Luftfahrtindustrie.

The bi-annual air show in Moscow has become one of the few connection points in the aviation industry where “east” meets “west”. The event, to be mentioned in the list of comparable fairs like Farnborough, Le Bourget or ILA, although known for its spectacular displays of Russian military aircraft, has to be considered as a serious economic factor for the Russian aviation industry.

Auf dem Showgelände werden aktuelle Produkte der Industrie und deren Projekte gezeigt – wie moderne Zivilflugzeuge, Kampfflugzeuge und Hubschrauber – aber auch die Geschichte der russischen Luftfahrtindustrie – mit etlichen berühmten Flugzeugen, welche in der statischen Ausstellung zu sehen waren. Während der 2019 Ausgabe der Show wurden beide Elemente sogar gemischt, wie am Beispiel einer mit neuen Triebwerken ausgestatten Il-76 oder einem neuen Ansatz zur Vermarktung der Il-114 als Regionalflugzeug mit modernisierter Avionik zu erkennen war.

The showground combines several elements which are on the one side linked to the current products of the industry and projects – like modern civil aircraft, fighters and helicopters – but as well a showcase of the legacy of Russian aviation industry – with several famous planes parked in the static display. During the 2019 show there was even a mixture of both, as with the re-engined versions of Il-76 or the new approach to market the Il-114 regional propliner with modernised avionics.

MAKS 2019 bestand aus vier nichtöffentlichen Tagen (Dienstag bis Freitag) und zwei öffentlichen Tagen am Wochenende. Während die öffentlichen Tage von vielen Menschen besucht werden (und damit auch den Enthusiasmus zeigen den viele für die Luftfahrt aufbringen), bieten die nichtöffentlichen Tage (für kommerzielle Besucher und die Medien) eine etwas entspanntere Option, die Flugzeuge zu sehen. Das Showgelände befindet sich in Zhukovsky, einem militärischen Flugplatz südöstlich von Moskau, welcher aber aus der Stadt leicht erreichbar ist. Die Basis wird auf der einen Seite vom Gromov Flugforschungsinstitut genutzt, zusätzlich befindet sich aber auch ein Zivil-Flughafen im südwestlichen Teil des Platzes. Aufgrund der Nutzung als Testflugplatz verfügt der Flughafen über eine sehr lange Start- und Landebahn – mit mehr als 5.000 Metern Länge.

MAKS 2019 consisted of four non-public days (Tuesday till Friday) and two public days on the weekend. Whereas the last ones are heavily crowded (showing the enthusiasm many people show for aviation) the non-public days (for commercial visitors and media) offered a little bit more relaxed option to see and visit the planes. The showground is located in Zhukovsky, a military airfield in the south-east of Moscow but easily reachable from there. The airbase is used on the one hand side by Gromov Flight Reasearch Institute, but as well by the civil airport located in the southwestern part of the airfield. Due to the usage as test center the airfield owns a very long runway – with more than 5.000 meters in length.

Auf dem Showgelände befindet sich der Bereich für die statische Ausstellung auf der ehemaligen Startbahn 08/26. Auf den Rollwegen südlich davon wurden zusätzlich einige weitere Flugzeuge abgestellt, gefolgt von den Chalets und Ausstellungshallen der verschiedenen Firmen und Ländern. Zusätzlich zur statischen Ausstellung gab es ein tägliches Flugprogram, allerdings mit wechselnder Dauer – insgesamt scheint es immer kürzer an den nichtöffentlichen Tagen zu sein. Das Programm 2019 beinhaltete zivile Flugzeuge aus Ost und West – mit der Sukhoi Superjet, der MS-21 und dem Airbus A350, zudem Spezialflugzeuge – wie die Beriew Be-200, und natürlich Militärflugzeuge – wie die MiG-35, Sukhoi Su-35 und Sukhoi Su-57 um ein paar zu nennen. In der statischen Ausstellung waren alle diese Flugzeuge auch vertreten (mit Ausnahme der Su-57), die großen Airliner konnten auch von innen besichtigt werden.

On the showground itself there is a parking area for the aircraft on display, located on the former runway 08/26. On the taxiway south of it some additional aircraft are parked, followed by the chalets and exhibition halls of the various companies and countries. In addition to the static display a flying program is held every day, but with various durations – in general shorter on the non-public days. The 2019 program included civil aircraft from east and west – with the Sukhoi Superjet, the MS-21 and the Airbus A350, special purpose aircraft – like the Beriew Be-200 and of course military aircraft – with the MiG-35, Suhoi Su-35 and Sukhoi Su-57 to name a few. In the static, you could see these aircraft as well (except the Su-57) and the larger airliners could even be visited inside.

Die Embraer E-195-E2, vermarket als Profithunter, stach aufgrund der spektakulären Lackierung heraus (genannt Tech Lion) und zeigte innen die neue geräumigere Kabine mit großen Fenstern und digitalem Cockpit. Das Flugzeug wird aufgrund der deutlich leiseren Kabine und der größeren Staufächer mit dem dadurch erhöhten Passagierkomfort vermarktet – und ökonomischerem und effizienterem Verbrauch durch geringeren Treibstoffverbrauch sowie längeren Wartungsintervallen. Embraer hofft auf einen Teil des Regionalflugzeugmarktes in Russland und den angrenzenden Regionen und brachte das Flugzeug daher zur MAKS 2019.

The Embraer E195-E2, nicknamed Profithunter and standing out with a unique colour scheme (labelled Tech Lion) shows its spacious cabin, large windows and digital cockpit. The aircraft is marketed with a very good passenger comfort due to the much quieter cabin and the larger overhead bins – and better economics and efficiency due to less fuel burn and reduced scheduled maintenance cycles. Embraer hopes to get a share of the regional market in Russia and the surrounding regions and thus brought the aircraft to MAKS 2019.

Direkt neben dem Eingang war der zweite Prototyp vom Airbus A350-900 in seiner Karbon-Lackierung abgestellt. Der Typ fliegt inzwischen erfolgreich bei zahlreichen Airlines in der ganzen Welt. Airbus fokussierte sich daher auf Verbesserungen in der Kabine und vermarktet diese, im Sinne der Digitalisierung, als „connected cabin“. Einige interessante Innovationen wurden gezeigt, so als Beispiel ein großer Bildschirm an der Eingangstür, welcher es erlaubt, Passagiere mit besonderen Informationen, einer Vorstellung der Crew oder einer Übersicht des Onboard Shoppings zu begrüßen. Eine weitere Idee waren Sitze, welche melden, ob jemand auf ihnen sitzt, ob der Passagier angeschnallt ist oder den Sitz zurückgelehnt hat – um damit der Crew die Arbeit zu erleichtern und es zu ermöglichen, einen Passagier bei einem Nachtflug schlafen zu lassen – ohne die Notwendigkeit ihn aufzuwecken um den Gurt zu kontrollieren. Eine weitere Idee war die Option die Fensterblenden elektrisch zu schließen. Aber die Digitalisierung geht noch weiter – sogar die Küchen werden in das Konzept mit eingebunden und zeigen zum Beispiel an, welche Getränke vorrätig sind und ermöglichen dem Passagier vorab daraus auszuwählen. Diese Digitalisierung hat auch für die Airline Vorteile – da die Daten anonymisiert zwischen den Airlines ausgetauscht werden können, wird es möglich, häufige Fehler frühzeitig zu erkennen – und zum Beispiel einen Ofen in der Küche auszutauschen bevor er ausfällt (da zum Beispiel verschiedene Daten darauf hindeuten, dass er bald ausfällt).

Parked directly next to the entrance was the Airbus A350-900 prototype No 2 in the carbon fibre design. The type is successfully in service around the world with lots of airlines. Airbus thus focussed on improvements inside the aircraft – you can call it a digitalisation of the cabin branded as “connected cabin”. Some smart ideas where shown, starting with a large welcome screen at the entrance allowing to welcome passengers with e.g. specific messages, crew presentation or even an overview of the on board shopping opportunities. Next are seats which allow to identify if somebody is sitting on them, if the seated passenger is buckled up or if she/he reclined the seat – thereby simplifying the effort for the crew and enabling them e.g. to keep passengers sleeping on an overnight flight without the need to wake them up to check the seat belts. Another idea is the capability to manage window blinds electrically. The digitalisation does not stop here – even the galleys are included with the idea to manage the available stocks like drinks allowing e.g. passengers to check in advance what is available. This whole digitalisation has as well a benefit for the airline – as the data is anonymised and shared between all airlines thereby enabling them to identify errors due to the available parameters earlier – and e.g. allows to replace an oven in the galley before it goes out of order (as some usage parameters make it highly likely it will fail in future).

Airbus Connected Cabin

Zusätzlich installierte Diehl, einer der Hauptlieferanten für Sitze und Kabinenverkleidung, einen Prototyp mit Projektoren in vorderen Kabinenteil, welcher seine Bilder auf die Gepäckfächer projiziert. Dort können die Passagiere als Beispiel die Namen der Crew, die Flugstrecke, das Ziel oder einfach nur Bilder zur Beeinflussung der Stimmung der Passagiere einspielen – z. B. mit Bezug zu den Jahreszeiten oder Tag und Nacht. All diese Ideen und Konzepte sind bisher nicht in Maschinen im regulären Linienbetrieb verbaut – Airbus führte ein Flugtestprogramm für all diese Optionen durch und war dabei offenbar weit fortgeschritten.

Finally, Diehl, a key provider of seats and cabin furnishings, installed a prototype with projectors which display their image on the overhead compartments. There, the passengers could get information about the crew, the flight routing, the destination or even just images to address the mood of the people – e.g. according to the seasons or about day and night. All these features have so far not been installed on in-service aircraft – Airbus was flight testing all these options and is in addition putting final touches on it.

Zusätzlich zu diesen beiden aktuellen Airlinern konnte auch ein hoch spezialisiertes Testflugzeug basierend auf einem russischen Klassiker besucht werden. Die Tu-155 ist eine Variante der Tu-154 mit dem Ziel, das Flugzeug mit Wasserstoff und Flüssiggas zu betreiben. Entwickelt in den 1980ern, wurde mit der Maschine etwa 100 Flüge bis zum Ende der Sovietunion durchgeführt und danach außer Dienst gestellt. Im Inneren konnten die Testinstrumente im Cockpit sowie die Ingenieurstation direkt dahinter besichtigt werden, ebenso aber auch die zahlreichen Tanks im hinteren Teil der Kabine.

In addition to these two actual airliners as well a highly specialised testbed based on a classic Russian airliner could be boarded. The Tu-155 is a variant of the Tu-154 aiming of running the aircraft with hydrogen and liquid natural gas. Developed in the 1980s the aircraft flew around 100 flights until the end of the Soviet Union and was then retired. Inside you can see on the one hand side the test instrumentation in the cockpit and engineer stations behind, but as well the various gas tanks installed in the rear of the aircraft.

An historischen Maschinen war ein Mix aus älteren und jüngeren Flugzeugen ausgestellt. Bei den ältesten war eine Su-15 (NATO Name Flagon), ein Abfangjäger welcher in den 1960er Jahren entwickelt und bis in die 1990er eingesetzt wurde. Ein weiteres einmaliges Flugzeug war die Mjassischtschew WM-T Atlant, welches aus einem M-4 Bomber umgebaut wurde, um Teile des Raumfahrtprograms Buran aus den Fertigungsstätten zum Startplatz zu transportieren. Mit der Verfügbarkeit der An-225 ab 1989 wurde das Flugzeug außer Dienst gestellt und eines der beiden gebauten Flugzeuge (eingelagert in Zhukovsky) wurde während der Show präsentiert. Ein weiteres bemerkenswertes Flugzeug in der statischen Ausstellung war die Su-47 Berkut (NATO Name Firkin, zuerst als S-37 bezeichnet), ein Flugzeug zur Erforschung von Composite-Materialien und Fly-by-Wire Steuerung. Das Flugzeug, welches in der Zwischenzeit außer Dienst gestellt wurde, verfügt über ein Design mit nach vorne gepfeilten Tragflächen, um die Manövrierbarkeit zu steigern – und zeigte während Tests eine hohe Agilität. Die Maschine wurde erstmals während MAKS 2019 in der statischen Ausstellung gezeigt.

For the legacy part a mixture of older and younger aircraft was provided. Among the oldest was a Su-15 (NATO name Flagon), a fighter designed in the sixties and operated until the mid 1990s. Another unique aircraft is the Mjassischtschew WM-T Atlant, an aircraft rebuilt based on the M-4 bomber to transport parts of the Buran Space Program from the production to the launch sites. Retired from use once the An-225 became operational 1989, one of the two aircraft (stored in Zhukovsky) built was displayed during the show. Another noteworthy aircraft in the static display was the Su-47 Berkut (NATO name Firkin, initially named S-37), an aircraft designed as testbed for composite materials and fly-by-wire technology. The aircraft, in the meantime retired, has a design with forward facing wings to increase manoeuvrability and showed very high agility during tests. The aircraft was displayed for the first time statically during MAKS 2019.

Wenn wir von historischen zu aktuellen Projekten und Produkten wechseln, so wurden verschiedene Testflugzeuge, aber auch mit neuen Treibwerken versehene Versionen der bekannten Il-76, ausgestellt. Ursprünglich als Projekt Il-476 bekannt, ist das Ergebnis die Produktion der Il-76MD-90A Flugzeuge – mit modernisierten Triebwerken und digitaler Avionik und Cockpit. Ein weiteres russisches Produkt in der Ausstellung war der Iljushin Il-114-100 Turboprop Airliner, welcher ursprünglich als Ersatz für die weit verbreitete An-24 gedacht war. Die Planung sieht vor, die Produktion mit moderneren Triebwerken sowie einer leicht verkürzten Version wiederaufzunehmen. Im Gegensatz dazu befindet sich der Sukhoi Superjet bereits in Produktion, was auch durch ein Flugzeug in den Farben der Aeroflot sowie eine weitere Maschine in einer Sonderlackierung der Yakutia deutlich wurde. Im Flugprogram wurde zudem der Superjet Prototyp mit modernisierten Tragflächenspitzen gezeigt. In der Luft war auch die MS-21 zu sehen – das gegenwärtig ambitionierteste bereits fliegende Zivilflugzeugprogramm in Russland. Ziel des Typs ist ein Wettbewerber auf dem umkämpften Markt von Airbus A320 und Boeing 737 zu sein, weswegen das Flugzeug an den kommerziellen Tagen auch im Flugprogramm vorgeführt wurde.

Jumping now from legacy to actual projects and production, different testbeds but as well re-engined versions of the famous Il-76 where on display. Initially known as project Il-476 the results is the production of Il-76MD-90A aircraft – with modernised engines and digitalised avionics and cockpit. Another Russian product on display was the Ilyushin Il-114-100 turboprop airliner, which was once intended as replacement for the widely used An-24. The plan is to resume production with more modern engines and offer as well a slightly shorter version. In contrast already in production was the Sukhoi Superjet, displayed by an aircraft from Aeroflot and an aircraft from Yakutia in special colours. The flying display showed in addition a Superjet prototype with modernised wingtips. Taking to the air as well was the MS-21 – the currently most ambitious civil aviation program already flying in Russia. Aiming to offer a competitor to Airbus A320 and Boeing 737 the aircraft displayed of course during the commercial days.

Um unserer Übersicht der MAKS 2019 abzuschließen, sei noch auf etliche zivile und militärische Hubschrauber auf dem Showgelände verwiesen – Klassiker wie die Mi-17 und die An-2 ergänzten den Besuch und erlaubten, weitere interessante Einblicke in die Welt der russischen Luftfahrttechnik der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

Florian Szczepanek, July 2020

Completing our review of MAKS 2019 several active helicopters and aircraft from civilian and military operators could be found on the showground – classics like Mi-17s and An-2s further enriched the visit and provided interesting additional insights in the world of Russian aviation technology from the past, today and the future.