Placid Lassie at Tannheim

Eine der ältesten D-3 auf einem Flugplatz in Süddeutschland? Für uns als Luftfahrt Fotografen eine seltene Gelegenheit eines dieser ikonischen Flugzeugen über der süddeutschen Landschaft und seiner bekanntesten Gebäude zu fotografieren. Aber dazu später mehr. Zuerst einige Hintergründe zu Tannheim, der Placid Lassie und der dazugehörigen Geschichte.

One of the oldest DC-3s at an airfield in South Germany? For us as aviation photographers a rare opportunity to photograph such an iconic aircraft above the South German landscape and one of its well-known monuments. But later-on more about that. First some background on Tannheim, Placid Lassie and the story behind.

Tannheim ist ein Graslandeplatz der nordwestlich des größeren Flughafen (ehemalige Luftwaffenbasis) Memmingen in Süddeutschland liegt. Tannheim ist ein relativ junger Platz, gegründet in den 1960iger Jahren durch die Dolderer Familie denen das Gelände gehört und die das Areal zuerst als Farmland nutzten und dann andere Geschäftsfelder wie Minigolf eröffneten. Da sie eine Option im Luftfahrtgeschäft sahen und es zudem bereits Aktivitäten eines Segelflugvereins gab, wurde der Landeplatz aufgebaut – der bald mit einem Tower, einem Restaurant sowie Hangars für die Flugzeuge ergänzt wurde. Eine zusätzliche Verlängerung der Landebahn sowie eine Erweiterung der Lizenzen hinsichtlich der Größe der Flugzeuge erweiterten dann die Möglichkeiten. Der Flugplatz ist auch das zuhause des Fallschirmspringerclubs Flying Bones, der von der Bone Familie betrieben wird – womit sich eine große Vielfalt an Aviatik Themen am Platz befindet – Segelfliegen, verschiedene Formen des Motorflugs sowie Fallschirmspringen.

Tannheim is a grass airfield located northwest of the larger airport (previously airbase) of Memmingen, itself in South Germany. Tannheim is a relatively young strip, founded in the 1960ties by the Dolderer family which previously owned the area and ran originally farms but then small scale business like minigolf and others. Seeing a chance in aviation and as well the already ongoing activities of a glider club, the airfield was set-up – supported soon by a tower, restaurant and hangars for the small aircrafts. Additional length of the grass runway and further extensions of allowed aircrafts enlarged the possibilities. The airfield is as well home of the parachutist club Flying Bones managed by the Bone family and thus compromises various aviation related activities – gliding, various powered flying and parachuting.

Placid Lassie ist eine DC-3, die 1943 mit der militärischen Spezifikation C-47 für die damaligen Kosten von 110.00 US Dollar gebaut wurde. Da ihre Budgetierung im Jahr 1942 liegt erhielt sie die Registrierung 42-24064, von denen normalerweise die letzten sechs Ziffern gezeigt werden. Nach der Fertigstellung in Long Beach durch die Douglas Corporation und die Abnahme durch die US Army Air Forces wurde sie mit mehreren Zwischenlandungen über den Südatlantik nach Europa geflogen wo sie im Oktober 1943 ankam. Das Flugzeug nahm dann an zahlreichen wichtigen Operationen in Europa teil, so zum Beispiel an der Operation Neptune (Invasion der Normandie), Operation Market Garden (Niederlande), Operation Repulse (Unterstützung für das eingeschlossene Bastogne) und Operation Varsity (die Überquerung des Rheins).

Placid Lassie is a DC-3, built with the military specification C-47 in 1943 for a cost of at that time approximately 110.000 US Dollars. As her budgeting occurred in 1942 she obtained the registration 42-24064, of which classical only the last 6 digits are displayed. After production in Long Beach by Douglas Corporation and the acceptance by the US Army Air Forces she was flown (through several stopovers) to Europe across the Southern Atlantic and arrived in October 1943 in Europe. The aircraft then participated in several of the key operations in the European Theatre, namely Operation Neptune (Normandy invasion), Operation Market Garden (Netherlands), Operation Repulse (relief of Bastogne) and Operation Varsity (Rhine crossing).

Nach der Rückkehr auf das US Festland im Juni 1945 wurde sie dann wie viele andere der tausenden überzähligen Flugzeuge von der Reconstruction Finance Corpration (eine US Regierungsbehörde) verwaltet. Glücklicherweise wurde Placid Lassie nicht wie viele andere verschrottet, sondern verkauft – und flog in den Jahrzehnten danach für zahlreiche private Gesellschaften mit der Kennung N74589. Nach der ersten Airline (von 1947 oder 1949 bis 1969), namentlich West Coast Airlines aus Seattle, welche die Maschine auch in die DC-3 Spezifikationen konfigurierte, flog sie für Aero-Dyne Corp (bis 1984), Saber Cargo Airlines (bis 1992) und Express Air Cargo (bis 2000), bevor sie dann letztendlich an Dodson International Air verkauft wurde, wo sie bald wegen Triebwerksproblemen stillgelegt wurde.

Returning to US mainland in June 1945 she was one of many thousand surplus aircraft treated by the Reconstruction Finance Corporation (US Governmental). Luckily, not like many others, Placid Lassie passed the scrap yards and was sold and flew for various private companies in the following decades with registration N74589. After the first airline (1947 or 1949 till 1969), West Coast Airlines of Seattle, which converted the aircraft as well to DC-3 specification, she flew for Aero-Dyne Corp (till 1984), Saber Cargo Airlines (till 1992), Express Air Cargo (till 2000) until finally sold to Dodson International Air where she was soon grounded due to engine problems.

Nachdem sie 10 Jahre abgestellt war, fanden sie James Lyle und Clive Edwards auf der Suche nach einer DC-3 die sie für den 75ten Geburtstag der DC-3 wiederaufbauen konnten – mit dem Ziel die Maschine in Oshkosh vorzustellen. Obwohl es eine Herkulesaufgabe war schafften es die beiden das Flugzeug zu reparieren und alle Probleme zu lösen, nannten sie Union Jack Dak (in Anlehnung an Dakota) und flogen zum Oshkosh Air Venture 2010. Die Umbenennung in Placid Lassie erfolgte dann 2014 während eines Besuchs des 70ten Jahrestags der Invasion in der Normandie, auf dem die Crew mit einem Vertreter der ursprünglichen Bordmannschaft – Ed Tunison, Funker – in Kontakt kam der ihnen Bilder mit dem originalen Namen Placid Lassie zeigte. Daraufhin wurde das Flugzeug sofort umbenannt! Schließlich wurde dann 2016, nach dem Tod von Ed Tunison, eine Stiftung in seinem Namen gegründet deren Zweck es ist „lebende Geschichte“ zu zeigen – und das Flugzeug auf die Stiftung transferiert. In dieser Rolle fliegt Placid Lassie bis heute!

After being parked for 10 years, James Lyle and Clive Edwards found her while searching for a DC-3 to refurbish for the 75th anniversary of the DC-3 – with the aim to present the aircraft at Oshkosh. Although a monster work they managed to repair and solve all issues, named her Union Jack Dak (for Dakota) and flew to Oshkosh Air Venture 2010. The renaming to Placid Lassie occurred in 2014 when – while attending the 70th anniversary of the invasion in Normandy – the crew got in contact with an original crew member – Ed Tunison, a radio operator – who showed with photos the original name Placid Lassie. The aircraft was immediately renamed! Finally, after Ed Tunison passed away in 2016, a Foundation was set-up with the aim to run “living history” events – and the aircraft was transferred to the foundation. In this role Placid Lassie is flying proudly till today!

Aber warum kommt so ein Flugzeug, welches von einer Stiftung von Enthusiasten betrieben wird, das in Europe aufgrund des 75ten Jahrestages der Invasion der Normandie sowie des 70ten Jubiläums der Luftbrücke nach Berlin ist, nach Tannheim und begeistert dort die Menschen? Ohne allzu sehr in Details zu gehen liegt die Ursache in persönlichen Beziehungen zwischen Crew-Mitgliedern und Bewohnern von Tannheim, die mit dem Flugfeld verbunden sind. Diese Kontakte hatten die ersten Ideen – und viel Leidenschaft und persönliches Engagement sorgten letztendlich für die Umsetzung. Placid Lassie landete in Tannheim! Der Flugplatz ist größere Menschenmengen gewohnt – da hier früher Events wie Tannkosh stattfanden – und versucht nach wie vor die Luftfahrtgemeinschaft zusammen zu bringen (wie zum Beispiel mit der Piper Reunion im Jahre 2017).

But why is such an aircraft, run by an enthusiastic foundation, flying in Europe due to the 75th anniversary of the Normandy invasion and the 70th anniversary of the Berlin airlift, arriving in Tannheim and enjoying the crowds? Without disclosing to many details it is linked to a personal relationship between crew members and people in the Tannheim region linked to the airfield. This contact generated first the idea – and a lot of passion and personal engagement finally made it happen. Placid Lassie landed in Tannheim! The airfield is used to larger crowds – as it saw in the past large events like Tannkosh and tries till today bring the aviation community together (like with the Piper Reunion in 2017).

Während sie in der Region war operierte die Placid Lassie aus Tannheim und Memmingen (hauptsächlich aufgrund der benötigten Spritmengen und im Falle von schweren Lasten / vielen Passagieren) – was uns mehrere Möglichkeiten zu Fotos gab. In Kooperation der beiden Flughäfen und dem Fallschirmspringerverein wurden Abwürfe von Fallschirmspringern aus der Maschine organisiert – und fotografiert. Des Weiteren erhielten wir am Abend bevor die Placid Lassie ihre Tour durch Europa fortsetzte eine Möglichkeit zu einer Sonnenuntergangs- und Nachtfoto-Session der abgestellten Maschine am Flughafen Memmingen. Mit der großen Hilfe des Flughafens – und der dortigen Feuerwehr und deren Wasser (Vielen Dank dafür!) – konnten wir wunderbare Fotos machen. Um unsere fotografische Dokumentation zu komplettieren wurde ein Foto-Flug am Abflugtag organisiert, bei dem wir die Maschine tief über der Süddeutschen Landschaft des Allgäus und einem seiner bekanntesten Gebäude – Schloß Neuschwanstein – fotografierten. Bald nachdem diese Bilder im Kasten waren winkten wir mit den Tragflächen auf Wiedersehen – und die Placid Lassie setzte ihr Reise durch die Alpen nach Norditalien fort.

While in the region, Placed Lassie operated out of Tannheim and Memmingen (mainly for fuel and in case of heavy loads / many people on board) – and offered us several opportunities for photos. In cooperation with the airfield and the parachutist club drops of parachutists from the aircraft have been organised – and photographed. Furthermore, on the last evening before Placid Lassie continued her journey around Europe, we got the opportunity for a sunset and night shoot of the parked aircraft at Memmingen Airport. With the great help of the airport – and the airport fire department and their supply of water (Big Thank You) – fantastic pictures could be made. To complete our photographic documentation, a photo flight was organised on departure day, photographing the aircraft low over South Germany and one of the most widely known landmarks – castle Neuschwanstein. Soon after these photos were made we wing waggled goodbye – and Placid Lassie continued her journey through the Alps on the way to Northern Italy.

Für die Möglichkeit herausragende Fotos machen zu können, müssen wir den Organisatoren der Veranstaltung in Tannheim (Flughafen und Fallschirmspringerverein The Fyling Bones), dem Flughafen Memmingen, den Piloten unserer Fotomaschine aber besonders der Crew und dem Team der Placid Lassie von der Tunison Foundation danken, denen wir weiterhin sichere und erfolgreiche Flüge für eine hoffentlich lange Zeit wünschen.

Text: Florian Szczepanek

Photos: 

To have an opportunity to do such iconic photos we have to thank the organisers of the event in Tannheim (airfield and parachutist club The Flying Bones), the airport in Memmingen, the pilots of our photo aircraft but especially the crew and team of Placid Lassie from Tunison Foundation, whom we wish many save and successful flights for a hopefully long future.